Works 2011

Sollte mein Kind tun, was ich ihm sage?

In diesem Artikel hinterfrage ich den häufig gedachten Satz „Meine Tochter tut oft nicht, was ich ihr sage.“ mit The Work of Byron Katie. Mehr zur Methode und zum Procedere finden Sie unter dem Menüpunkt „Was ist The Work?“

“Meine Tochter tut oft nicht, was ich ihr sage.”


1. Ist das wahr? – Ja!

2. Kannst Du absolut sicher sein, dass das wahr ist? – Ja!

3. Wie reagierst Du, was passiert, wenn Du diesen Gedanken glaubst?

Ich ärgere mich über sie, fühle mich weder ernst genommen, noch respektiert.

Ich versuche, über ständige Wiederholungen meiner Bitten und über zunehmende Lautstärke zu erreichen, dass sie das tut, was ich ihr sage. Gleichzeitig finde ich es furchtbar, dass ich mich so anhöre, wie eine CD, die an einer Stelle hängen geblieben ist und verurteile mich sowohl dafür, als auch für mein „Rumgezeter“. Ich verurteile mich innerlich als hysterisch, unfähig, un-entspannt und gehe in diesen Momenten wenig freundlich mit mir selbst um.

Meine Tochter behandle ich ebenfalls schlecht, indem ich mich über sie stelle und so tue, als wüsste ich, dass es das Beste für sie sei, genau das zu tun, was ich sage. Ich glaube – in aller Unschuld – dass ich recht habe.

Ich behandle meine Tochter in diesen Momenten unbewusst sogar so, als sei sie meine Feindin, gegen die ich kämpfen muss, der ich beweisen will, dass ich stärker bin und besser Bescheid weiß.

Ich glaube, dass ich mich durchsetzen muss.

Ich glaube, dass das, was ich da tue, Erziehung ist, und dass ich meine Tochter erziehen muss.

Ich befürchte, dass sie etwas Wichtiges nicht lernt, was ihr später im Leben fehlen könnte – und das wäre dann meine Verantwortung.

Wenn sie nicht das tut, was ich ihr sage, fürchte ich um unsere enge Verbindung. Ich habe Angst, sie zu verlieren, weil sie vermeintlich nicht auf mich hört.

Wenn ich genervt davon bin, dass sie nicht tut, was ich sage, bin ich nicht in der Lage, sie wirklich zu sehen und zu begreifen, dass sie vielleicht gerade genauso in eine ihrer eigenen Welten abgetaucht ist wie ich es selbst bin, dass auch sie vielleicht gerade denkt, dass sie recht hat; oder dass sie schlicht und einfach nicht versteht, was ich ihr vermitteln möchte. Ich bin weiterhin nicht in der Lage zu akzeptieren, dass es sie einfach gerade nicht interessiert, was ich sage und zu erkennen, wie oft mich etwas nicht interessiert, was sie sagt oder was andere Menschen mir sagen.

Und ich kann auch nicht sehen, dass das „nicht Gehorchen“ meiner Tochter nichts mit mir und meiner Person zu tun hat. Sie re(-agiert) gerade lediglich nicht so, wie es meinen Erwartungen entspricht – und diese haben wiederum nichts mit ihr zu tun.

All das passiert in mir, wenn ich den einen Gedanken „Meine Tochter tut oft nicht das, was ich ihr sage.“ glaube.

4. Wer (oder was) wärest Du ohne den Gedanken?

Ohne den Gedanken halte ich die gesamte Situation im Blick und fokussiere nicht nur dahingehend, dass meine Erwartungen so schnell wie möglich erfüllt werden.

Ohne den Gedanken verändert sich meine Haltung: Es geht nicht mehr um Erwartungserfüllung, sondern um Absprache und Organisation unseres gemeinsamen Lebens. Ich erkenne in meiner Tochter wieder den kleinen Menschen mit seiner eigenen – kindlichen – Wahrnehmung der Welt. In dieser haben zahlreiche Glaubenssätze, die ich habe, z.B. über das Zähneputzen, die Schlafenszeit, das Aufräumen etc. keinen hohen Stellenwert.

Ohne den Gedanken bin ich flexibler und kreativer in meinem Handeln, weil ich nicht beweisen will, dass ich recht habe. Ich kann mich leichter in die Wahrnehmungswelt meiner Tochter begeben und sie dort abholen.

Ohne den Gedanken tritt nicht ein, was ich, wenn ich den Gedanken „Meine Tochter tut oft nicht das, was ich sage.“ glaube, am meisten fürchte: Ich bin viel mehr bei mir selbst und fühle mich dadurch ebenfalls weitaus verbundener mit meiner Tochter.

UMKEHRUNGEN:

  • Meine Tochter tut oft das, was ich ihr sage.

3 Beispiele, die die Umkehrung für mich wahr machen:

1. Meine Tochter hat sich noch nie ihre Zähne nicht geputzt.

2. Meine Tochter rührt den Kuchenteig genauso, wie ich es ihr sage.

3. Meine Tochter wackelt jeden Morgen vergnügt mit Mama oder Papa in die Kita, wenn wir sagen, dass es Zeit dafür ist.

  • Ich tue oft nicht das, was ich mir sage.

3 Beispiele, die die Umkehrung für mich wahr machen:

1. Ich sage mir abends oft, ich sollte ein Buch lesen und lande doch vor dem Fernseher.

2. Ich sage mir oft, ich sollte mehr Sport machen und tue es nicht.

3. Ich sage mir oft, ich sollte mehr Gemüse essen und tue es oft nicht.

  • Ich tue oft nicht das, was ich ihr sage.

3 Beispiele, die die Umkehrung für mich wahr machen:

1. Ich esse oft Süßigkeiten, obwohl ich ihr sage, es sei ungesund.

2. Ich sage ihr oft, sie soll nicht so laut sein und bin selber laut, wenn sie nicht tut, was ich ihr sage.

3. Ich sage ihr oft, sie soll jede Speise probieren und esse viele Dinge selbst nicht.

  • Ich tue oft nicht das, was meine Tochter mir sagt.

3 Beispiele, die die Umkehrung für mich wahr machen:

1. Ich höre ihr oft nicht aufmerksam zu, wenn sie es gerne möchte.

2. Ich spiele oft nicht mit ihr, wenn sie mich dazu auffordert.

3. Ich gebe ihr oft keine Süßigkeiten, wenn sie es gerne möchte.

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